Landeskirchliches Archiv
Genealogische Anfragen, Quellen und Hilfsmittel

Anfragen

Die Familienforschung erfolgt im Landeskirchlichen Archiv praktisch auf zwei Ebenen. Einerseits können die Familienforscher selbst im Archiv recherchieren, andererseits wird auch schriftlich Auskunft erteilt. Bedingt durch die neuen Möglichkeiten der Online-Recherche ist bei schriftlichen Anfragen ein deutlicher Anstieg der Komplexität bzw. des Schwierigkeitsgrades zu verzeichnen; die Mehrheit der angeforderten Auskünfte betrifft das 16., 17. und den Anfang des 18. Jahrhunderts. Dies hat dazu beigetragen, die Suchzeit auf ungefähr zwei Stunden pro Anfrage zu begrenzen (dies betrifft jedoch nicht Anfragen in Nachlassangelegenheiten). Bei einem größeren Zeitaufwand empfehlen wir Ihnen, einen Berufsgenealogen zu beauftragen oder selbst im Archiv zu recherchieren.

Für die Eigenrecherche empfehlen wir Ihnen den Besuch des Kirchenbuchportals Archion, einem Gemeinschaftsprojekt der Evangelischen Kirche in Deutschland und der evangelischen Landeskirchen, das Ihnen Zugriff auf die digitalisierten Originalquellen bietet. Welche Kirchenbücher und Zivilstandsregister Ihnen hier zur Verfügung stehen, können Sie bereits ohne Anmeldung auf der Übersichtsseite in Erfahrung bringen.

 

Quellen

Wesentlichste Quelle für die Familienforschung sind die Kirchenbücher der Kirchengemeinden, insbesondere für die Zeit vor Einrichtung der Personenstandsregister 1875.

In der Regel beginnt die Kirchenbuchführung in Westfalen nach dem Dreißigjährigen Krieg. Während die ältesten Kirchenbücher nur sehr dürftige Informationen geben, werden die jüngeren zunehmend ergiebiger und informationsreicher.

Zum Schutz der wertvollen Originale und zur Erleichterung der Familienforschung sind alle historischen Kirchenbücher bis 1875 verfilmt worden. Diese Filme liegen für ganz Westfalen im Landeskirchlichen Archiv als Digitalisate zur Einsichtnahme bereit. Dort haben Familienforscher, aber auch interessierte Laien die Möglichkeit, die digitalisierten Originalquellen einzusehen. Die Mikrofiche-Digitalisate werden überdies laufend mit neueren Scans aus den Originalbüchern ergänzt.

Details bezüglich der Einsichtnahme sind in der Kirchenbuchordnung geregelt. Auskunftserteilung, die Anfertigung von Kopien etc. sind gebührenpflichtig. Grundlage der Benutzung bilden das Kirchengesetz zur Sicherung und Nutzung von kirchlichem Archivgut in der Evangelischen Kirche der Union vom 6. Mai 2000, dessen Ausführungsbestimmungen und die Archivbenutzungs- und Archivgebührenordnung in der jeweils gültigen Fassung. 

Das Landeskirchliche Archiv verfügt über folgende genealogische Quellen:

Kirchenbücher: Die wichtigsten und bekanntesten kirchlichen Quellen für die Familienforschung sind die Kirchenbücher. In ihnen werden Taufen, Trauungen und Sterbefälle einer Kirchengemeinde verzeichnet. Die Kirchenbücher beginnen regional verschieden. Bei den 281 historischen Kirchengemeinden setzen sie meist nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ein, in Wittgenstein und in einigen Städten aber auch bereits vor 1600. Das älteste Kirchenbuch in Westfalen ist das Kirchenbuch der Kirchengemeinde Feudingen, das 1563 beginnt. In der Regel befinden sich die Originale bei den Kirchengemeinden. 76 Kirchengemeinden, v.a. aus der Region um Bielefeld, haben ihre Kirchenbücher jedoch im Landeskirchlichen Archiv deponiert. Die Kirchenbücher sämtlicher westfälischer Kirchengemeinden sind bis zum Stichjahr 1875 (teilweise auch darüber hinaus) verfilmt und digitalisiert worden und können im Landeskirchlichen Archiv eingesehen werden.Der Quellenwert der Kirchenbücher ist durchaus unterschiedlich. Die ersten Kirchenbücher sind häufig nur sehr rudimentär geführt worden und erlauben in der Regel keine Rekonstruktion von Familienzusammenhängen. So fehlt häufig der Name der Ehefrau bzw. Mutter. Erst mit der stärkeren Reglementierung der Kirchenbuchführung in der Mitte des 18. Jahrhunderts steigt der Quellenwert der Kirchenbücher.

Zivilstandsregister: Einen Einschnitt in der Kirchenbuchführung gab es in einzelnen Kirchengemeinden während der napoleonischen Besatzungszeit Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Führung der Zivilstandsregister, zu denen häufig der Pfarrer verpflichtet wurde, führte in Einzelfällen zu einer Unterbrechung der Kirchenbuchführung. In der Regel aber wurden die Kirchenbücher auch in der Zeit von 1807 bis 1815 weitergeführt. Vielfach sind die Zivilstandsregister auch in den Kirchengemeinden verblieben. Dr. Steinberg, der erste Leiter des Landeskirchlichen Archivs, strebte eine Zentralisierung der Zivilstandsregister, soweit sie sich noch bei den Kirchengemeinden befanden, beim Landeskirchlichen Archiv an. Daher sind die Zivilstandsregister von 73 Kirchengemeinden im Landeskirchlichen Archiv deponiert. Nur zum Teil befinden sich Zweitexemplare im Personenstandsarchiv in Detmold.

Militärkirchenbücher: Eine weitere Besonderheit der Registerführung sind die Militärkirchenbücher. Die Personenstandsfälle von Angehörigen militärischer Einheiten und Garnisonen wurden in eigenen Militärkirchenbüchern dokumentiert und nur im Einzelfall in den Kirchenbüchern der Ortskirchengemeinde. Viele der älteren Militärkirchenbücher sind während der Befreiungskriege (1813-1815) militärisch genutzt worden: als Patronenpapier. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Militärkirchenbücher in Deutschland zentral auf der Festung Königstein bei Dresden gesammelt. Nach dem Krieg gelangten diese zur EKD, die sie dann in der damaligen Westzone auf die einzelnen Gliedkirchen nach dem Provenienzprinzip aufteilte; die Kirchenbücher der damaligen Ostzone gelangten in das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz.

Angebote

Das Kirchenbuchportal Archion bietet Ihnen über die dort einzusehenden digitalisierten Quellen eine komfortable Möglichkeit zur selbständigen Familien- und Ahnenforschung.

Eine eigene Recherche in den Digitalisaten der EKvW ist in unserem Benuztersaal möglich. Wenn Sie uns mit einer Recherche beauftragen möchten, wenden Sie sich mit Ihrem Anliegen bitte zunächst schriftlich - idealerweise direkt per E-Mail - an uns. Auf diese Weise ist eine effiziente Bearbeitung Ihrer Anfrage gewährleistet.

Rechtliches

Zum 1. Januar 2003 ist die derzeitig gültige Kirchenbuchordnung in Kraft getreten, die die historischen Kirchenbücher zum Archivgut erklärte.

Damit erfolgte automatisch die Übernahme der Fristenregelungen des Archivgesetzes. Seitdem gelten nun gleitende Sperrfristen bei den Kirchenbüchern:

  • Sterberegister sind bereits nach 30 Jahren nutzbar.
  • Geburtsregister sind nach dem kirchlichen Archivrecht nach 90 Jahren einsehbar.
  • Trauregister sind in der Regel nach 70 Jahren zugänglich.

Jüngere Daten sind nur unter besonderen Bedingungen zu erhalten, diese entsprechen aber auch dem neuen Personenstandsrecht.

Gebühren

Familienkundliche Anfragen sind gebührenpflichtig, soweit sie keinen wissenschaftlichen oder heimatkundlichen Charakter haben. Alle anfallenden Gebühren richten sich nach § 3 (2) ArchGebO bzw. der Anlage mit der Gebührentafel.